So entsteht Bio-Wein

Bist du schon einmal durch einen ökologisch bewirtschafteten Weinberg spaziert? Zwischen den Rebzeilen summt und brummt es, Kräuter und Gräser wachsen, bunte Blüten setzen Farbtupfer. Hier gibt es einiges zu entdecken! Doch nichts wird einfach dem Zufall überlassen. Wie sieht der Alltag auf einem Bio-Weingut aus? Und was bedeutet ökologischer Weinbau ganz konkret? Wir zeigen dir, welche Arbeit im Weinberg und im Keller dahintersteckt.

Bio im Weinberg: ein Jahr voller Entscheidungen

Wie viel kann die Natur selbst regeln? Und wann müssen die Bio-Winzerinnen und -Winzer eingreifen? Vom Rebschnitt im Winter bis zur Traubenlese im Herbst stehen immer wieder Entscheidungen an. Dabei gelten im ökologischen Weinbau gesetzlich festgeschriebene Regeln für die Bodenpflege, die Düngung und den Pflanzenschutz. Bio-Weinbau heißt also keineswegs, die Natur einfach machen zu lassen, sondern mit ihr im Einklang zu arbeiten.

Winter: Der nächste Jahrgang beginnt

Wenn die Reben ihre Blätter verloren haben, beginnt der Rebschnitt. Welche Triebe bleiben stehen, wie viele Knospen sollen im Frühjahr austreiben? So beeinflussen die Winzerinnen und Winzer schon jetzt das Wachstum und den möglichen Ertrag des neuen Jahrgangs. Viele Betriebe häckseln das abgeschnittene Rebholz direkt im Weinberg. Dort wird es nach und nach zersetzt und führt dem Boden organisches Material zurück.

Außerdem schützen Winterbegrünung wie beispielsweise Winterroggen oder Wicken den Weinberg und viele Nützlinge über die nassen Wintermonate.
 

Frühling: Bodenpflege und neue Reben

Die Reben werden vor dem Austrieb gebogen und befestigt, die Begrünung zwischen den Rebzeilen gemulcht oder neu eingesät. Unter den Rebstöcken kommen spezielle Bodenbearbeitungsgeräte zum Einsatz, um den Unterstockbereich von Unkraut zu befreien! Zur Nährstoffversorgung nutzen unsere Bio-Betriebe bei Bedarf zugelassene organische Dünger, etwa Kompost oder Mist. Die Einsaat von Begrünung, die nicht nur schön aussieht, sondern auch nützlich ist, wie Klee und Wicken versorgt die Reben durch die natürliche Bindung von Luftstickstoff nachhaltig mit Nährstoffen und schützt so auf natürliche Weise den Boden vor Erosion. 

Auch neue Reben können im Frühjahr gepflanzt werden. Immer mehr Bio-Weinerzeuger:innen entscheiden sich für pilzwiderstandsfähige Rebsorten (PIWIs) wie Souvignier Gris oder Cabernet Blanc. Sie können den Bedarf an Pflanzenschutzbehandlungen reduzieren.

Sommer: Laubpflege und Pflanzenschutz

Jetzt wachsen die Triebe und die Trauben reifen. Durch gezielte Laubarbeit erhalten die Trauben mehr Sonnenlicht, die Luft zwischen den Reben kann besser zirkulieren und die Trauben trocknen nach Regen besser ab. Besonders wichtig ist der Pflanzenschutz: Feuchtwarme Witterung begünstigt Pilzkrankheiten. Auch Bio-Reben dürfen behandelt werden, allerdings nur mit zugelassenen Mitteln, etwa Schwefelpräparaten gegen Echten und Kupferpräparaten gegen Falschen Mehltau. Starker Regen kann den Schutz beeinträchtigen. Deshalb kommt es auf eine genaue Wetterbeobachtung und den richtigen Zeitpunkt an!

Herbst: Die Trauben sind reif!

Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Lese? Die Winzerinnen und Winzer prüfen dafür die Traubenreife und beobachten die Wetterentwicklung. Bei der Lese werden die Trauben kontrolliert und bei Bedarf sorgfältig sortiert, bevor die Arbeit im Weinkeller weitergeht. 

Auch nach der Lese stehen je nach Standort und Witterung noch Arbeiten zur Bodenpflege an. Schließlich beginnt die Vorbereitung auf den nächsten Jahrgang schon jetzt!

Biodiversität: Vielfalt im Weinberg fördern

Zwei Regenwürmer in einer Handvoll Erde! Als Winzer Thomas vom Weingut Arndt F. Werner in Ingelheim ein wenig Boden seines Weinbergs ausgräbt, werden wir sofort fündig. Und die beiden Würmer sind längst nicht die einzigen Bewohner. Über und unter der Erde tummeln sich zahlreiche Kleinstlebewesen. Diese Vielfalt an Tieren und Pflanzen nennt man Biodiversität. Unsere Bio-Winzerinnen und -Winzer fördern diese ganz gezielt.

Kleine Tiere, große Wirkung

Regenwürmer graben Gänge, lockern den Boden und helfen dabei, abgestorbene Pflanzenteile zu zersetzen. Das tut der Bodenstruktur gut. Auch unzählige Mikroorganismen sind unter der Erde aktiv und machen Nährstoffe für die Reben verfügbar.
Über der Erde gibt es ebenfalls fleißige tierische Helfer: Wusstest du zum Beispiel, dass Raubmilben schädliche Spinnmilben fressen? Oder dass Vögel und Fledermäuse Jagd auf Traubenwickler machen können, deren Raupen die Trauben schädigen?

Lebensräume für Regenwurm, Fledermaus und Co.

Wie lässt sich diese Artenvielfalt fördern? Zum Beispiel mit einer vielfältigen Begrünung zwischen den Rebzeilen. Klee, Kräuter und Blühpflanzen bieten Insekten Nahrung und Lebensraum. Gleichzeitig bedeckt die Begrünung den Boden, schützt ihn vor Erosion und trägt zum Humusaufbau bei.
Manche Bio-Weingüter säen dafür gezielt Pflanzenmischungen ein, andere lassen standorttypische Pflanzen wachsen. Auf dem Brühler Hof in Volxheim findest du rund 30 verschiedene insektenfreundliche Blütenpflanzen, beispielsweise Kräuter wie Salbei, zwischen den Reben. Zusammen mit den dort wachsenden Wildkräutern bieten sie zahlreichen Insekten Nahrung.
Auch Bäume, Sträucher, Trockenmauern und Nistkästen für Höhlenbrüter schaffen Rückzugsorte für Tiere. Und damit die Insekten kontinuierlich Blüten finden, mähen die Bio-Betriebe die begrünten Rebzeilen meist abwechselnd statt alle auf einmal.

Kann es auch zu viel Grün geben?

Begrünung kann den Weinberg auf vielfältige Weise unterstützen. In trockenen Sommern achten die Winzerinnen und Winzer jedoch besonders darauf, die Begrünung an die Standortbedingungen anzupassen, damit die verfügbaren Wasserressourcen bestmöglich genutzt werden.

Bio im Weinkeller: Was ist hier anders?

Die Trauben sind geerntet – wie geht es weiter? Komm mit in den Weinkeller eines Bio-Weinguts! Hier werden die Trauben verarbeitet, vergoren und zu Wein ausgebaut. Die Arbeitsschritte sind grundsätzlich dieselben wie bei anderen Weinen. Der Unterschied: Bei der Herstellung von Bio-Wein sind deutlich weniger Zusatzstoffe und Verarbeitungshilfsstoffe zugelassen als bei der konventionellen Weinbereitung. Auch für bestimmte Verfahren gelten Einschränkungen. Wie sieht das in der Praxis aus?

1. Von der Traube zum Most

Je nach Weinstil werden die Trauben entrappt, angequetscht oder gepresst. So entsteht der Traubenmost. Für Weißwein werden die Trauben meist direkt nach der Lese gepresst. Der gewonnene Traubensaft wird anschließend vergoren. Bei Rotwein vergärt der Saft dagegen zusammen mit den Beerenschalen. Für Bio-Wein dürfen nur ökologisch erzeugte Trauben verwendet werden.

2. Jetzt übernehmen die Hefen!

Sie verwandeln den Zucker im Traubenmost in Alkohol. Neben den natürlich vorkommenden Hefen dürfen im Keller eines Bio-Weinguts aber auch ausgewählte Reinzuchthefen eingesetzt werden. Ist der gewünschte Hefestamm in Bio-Qualität verfügbar, muss diese verwendet werden. Bestimmte Enzyme und Hefenährstoffe sind ebenfalls erlaubt.

Noch strenger sind die Vorgaben im biodynamischen Weinbau, zum Beispiel bei Demeter-Weinen: Hier ist die spontane Gärung mit natürlich vorkommenden Hefen der Standard und Reinzuchthefen dürfen nur in Ausnahmefällen zum Einsatz kommen, beispielsweise wenn die Gärung ins Stocken gerät. 

3. Den Wein ausbauen und schützen

Nach der alkoholischen Gärung wird der Wein weiter ausgebaut, beispielsweise im Edelstahltank oder Holzfass. Dabei behalten die Kellermeisterinnen und Kellermeister seine Entwicklung genau im Blick und entscheiden, welche Maßnahmen sinnvoll sind. Denn auch im Bio-Weinkeller wird nichts einfach dem Zufall überlassen! 

Wusstest du, dass auch Bio-Wein geschwefelt werden darf? Schwefeldioxid schützt ihn unter anderem vor Oxidation und unerwünschten mikrobiellen Veränderungen. Allerdings gelten für Bio-Weine niedrigere gesetzliche Höchstwerte für den Gesamt-Schwefeldioxidgehalt!
 

4. Wird Bio-Wein geklärt?

Ja, auch Bio-Weine dürfen geklärt, geschönt und filtriert werden. So lassen sich beispielsweise Trubstoffe entfernen. Dafür kommen zugelassene Verarbeitungshilfsstoffe zum Einsatz, beispielsweise das Tonmineral Bentonit. 

Auch Bio-Wein ist nicht automatisch vegan. Zur Klärung des Weins können bestimmte Verarbeitungshilfsstoffe, darunter auch Gelatine, eingesetzt werden. Du suchst einen veganen Bio-Wein? Dann achte einfach auf die entsprechende Kennzeichnung auf dem Etikett. 
 

5. Flaschenabfüllung und Rückverfolgbarkeit

Ist der Wein fertig, wird er in Flaschen abgefüllt. Damit du dich auf die Bio-Kennzeichnung verlassen kannst, wird wie auch beim konventionellen Weinbau jeder wichtige Schritt seiner Herstellung dokumentiert: Woher stammen die Trauben? Welche Zusatzstoffe und Verarbeitungshilfsstoffe wurden verwendet? Bei der Bio-Kontrolle wird zusätzlich überprüft, ob die gesetzlichen Vorgaben für Bio-Wein eingehalten wurden. So lässt sich der Weg des Bio-Weins vom Weinberg bis in die Flasche nachvollziehen.

Das gehört zum Bio-Weinbau

Biologische Artenvielfalt im Weinberg ist ausdrücklich erwünscht! Blühwiesen, begrünte Rebzeilen und Nistmöglichkeiten bieten vielen Tieren Nahrung und Lebensraum. Dazu gehören auch Nützlinge, die helfen, Schädlinge in Schach zu halten.
 

Reben brauchen Nährstoffe. Organische Dünger wie Kompost oder Mist versorgen nicht nur die Reben, sondern fördern das Leben im Boden und können zum Humusaufbau beitragen.

Auch Bio-Reben brauchen Pflanzenschutz. Um Pilzkrankheiten wie Echtem und Falschem Mehltau vorzubeugen, dürfen ökologisch arbeitende Weinerzeuger:innen zugelassene Schwefel- und Kupferpräparate einsetzen.

Das gehört im Bio-Weinbau nicht dazu

Herbizide bekämpfen unerwünschte Pflanzen, können dabei aber auch die Pflanzenvielfalt im Weinberg verringern. Deshalb sind sie im ökologischen Weinbau verboten. Stattdessen kommen beispielsweise spezielle Hackgeräte zum Einsatz.

Im ökologischen Weinbau steht die natürliche Bodenfruchtbarkeit im Mittelpunkt. Deshalb sind leicht lösliche mineralische Stickstoffdünger verboten. 

Auch im Keller gelten klare Bio-Regeln: Sie legen fest, welche Zusatz- und Hilfsstoffe sowie Verfahren bei der Weinbereitung eingesetzt werden dürfen. Auch die zulässigen Höchstgehalte an Schwefel sind geregelt.